Der Mont Ventoux - Insel des Miozän-Biosphärenreservat
Vor 25 Millionen Jahren drang ein nur wenig tiefes Meer in das heutige Rhonetal. Es handelt sich um das Meer des Miozäns, das die Region während beinahe 20 Millionen Jahre überflutete und auf dessen Grund sich das Sedimentgestein ablagerte, wodurch das Bild der heutigen Landschaft geprägt ist.
Der Mont Ventoux mit dem Bergrücken des Luberon und den Höhenzügen der Vaucluse bildeten damals Inseln, die aus der Rhonelandschaft herausragten. Von seinem Gipfel von 1912 Metern hat man eine der weitesten Aussichten in ganz Europa.
Sein Name 'Ventoux' geht wahrscheinlich in das erste oder zweite Jahrhundert zurück und kommt ursprünglich von Vintur, dem Namen eines Berggottes; in keltischer Sprache bedeutet Ven- Top ein schneebedeckter Gipfel.
Über dem Pays de SAULT, der Grafschaft Venaissin und der Provence herrscht uneingeschränkt der Mont Ventoux wie ein heidnischer Gott. Mehr noch, im ganzen Midi kann man ihn sehen und von überall erscheint er in anderer Gestalt. Die Seeleute erblicken ihn von weitem, schon bevor sie die 'Jungfrau de la Garde', die Schutzpatronin der Reisenden, sehen, die Flugzeuge orientieren sich an ihm und entdecken ihn in den Koordinatenlinien des Mittelmeers. Bei schönem Wetter erscheint der Mont Ventoux von der Camargue aus wie ein Bergmassiv aus Lapislazuli, bei Gewitterstimmung und Sturm wie ein Fels aus Aquamarin. Von Avignon aus beeindruckt der blaue Riese von jedem Punkt der Strasse aus, wo auch immer man sich befindet. Von Carpentras, Bedoin und Sault aus scheint er mit dem Betrachter zu spielen, scheint einmal nahe zu sein, als könne man ihn berühren, zeigt sich oder versteckt sich, ändert seine bizarre Form je nach der Laune, wie ihn der kleinste Gebirgsausläufer oder die kleinsten Bewaldungen mit Trüffeleichen oder Kiefern ihn offenbaren, wirkt je nach dieser oder jener Lichtung wie ein spitzer kahler Felsbrocken oder ein von weitem abgeflachter Ausläufer eines Plateaus.
Bei jeder Jahreszeit, sogar an jedem Tag oder gar stündlich wandelt sich die Vegetation, das Licht und der Himmel mit seinen Wolken. Einmal zeigt sich der Mont Ventoux in grünem Blätterkleid, einmal mit rotem Vlies oder schneebedeckt, geschmückt mit filigranen Ästen aus Eis, dann wieder sonnenverbrannt. Und wenn der Sturm über den Gipfel fegt, wirkt der Mont Ventoux edel und schön in allen seinen Facetten.
Frederic Mistral hat ihn richtig gesehen und beschreibt ihn als einen Hirten inmitten seiner Herde von Buchen und wilden Kiefern, sein weisses Haupt bis zu den Sternen hinaufragend, von Blitzen zerfurcht oder in Licht eingetaucht, so schaut er nachdenklich und heiter auf seine Herde. Freude kommt auf, hat man endlich seinen Gipfel erreicht, die Mühe wird reichlich mit überwältigenden Eindrücken belohnt. Die gesamte einstmalige römische Provinz mit ihren natürlichen Grenzen liegt vor Ihnen: das Mittelmeer, die Rhone, die Alpen, ein imposanter Horizont mit seinem bemerkenswerten Mittelpunkt, dem Gipfel des Mont Ventoux. Soweit das Auge schauen kann, ein wahrhaftiger Teppich von subtilen Farbtönen, eine Variation von Sonne und Schatten, Undendlichkeit von Wäldern, Felsen, Eichen, Bergketten, Städten und Dörfern, Flüssen und Gewässern, die sich im Sonnenlicht spiegeln. Hier in der Ventouxlandschaft, die selbst wieder aus unzähligen kleineren Landschaften besteht, treffen wir in der fruchtbaren Ebene zwischen bewaldeten Hügeln die Menschen dieser Gegend: Gemüsegärtner, Bergbewohner, Holzfäller, Lavendelbauern, Jäger, Trüffelsucher und Winzer, wir sehen Hirten zwischen grasbewachsenem Geröll und Stein kräutern, Maler an sonnenbeschienenen bezaubernden Orten, begegnen Dichtern, wie es Mistral oder Aubanel und viele anderen waren, Botanikern und Insektenforschern wie Jean Henri Fabre, Mystikern wie einstmals der Humanist und Dichter Francesco Petrarca, Pilgern, Frommen aller möglich |
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Das Mont Ventoux -Biosphärenreservat Im Jahre 1990 wurde dem Bergmassiv Mont Ventoux von der U.N.E.S.C.O. das Label 'MAB' (Man and Biosphere) aufgrund seines natürlichen Reichtums und seiner Kultur verliehen, gleichzeitig wurde der Mont Ventoux unter ihren Schutz gestellt.
Das zentrale Gebiet des Mont Ventoux-Biosphärenreservats setzt sich aus sechs Gebieten zusammen: Mont Ventoux (963 hai, Mont Serein (409 hai, Buchenwald (98 hai, Der Zedernwald von Bedoin (58 hai, La Tete des Mines (81 hai und Gorges de la Nesque (517 hai. Der S.M.A.E.M.V., dessen Sitz in 84200 Carpentras, Avenue du Mont Ventoux 830 ist, hat die Aufgabe, ein Programm für dieses Biosphärenreservat in die Tat umzusetzen.
Die Flora Am Mont Ventoux gibt es über 400 Pflanzengattungen, die sich wieder in 1000 Pflanzenarten unterteilen. Wir finden sie in fünf Vegetationsstufen zwischen 400 und 1900 Metern Ü. M. und begegnen einem Pflanzenwuchs, der zum Teil aus arktischen Gebieten stammt. Unter den wilden Gewächsen seien nur die wichtigsten erwähnt. Je nach Jahreszeit findet man am Weges rand den kleinen behaarten grönländischen Mohn, ferner den gegenblättrigen Steinbrech, den Hauswurz, den Frühjahrsenzian, die Türkenbundlilie, das weisse und purpurne Knabenkraut, die Zwergiris, das alpenländische Leinkraut und die weisse Alpendistei. Es ist verboten, diese naturgeschützten Pflanzen zu pflücken, was unbedingt beachtet werden muss.
Die Fauna Mehr als 120 Vogelarten nisten am Mont Ventoux, und im Verborgenen sowie im Schutz des Berges leben so zahlreiche wie verschiedene Säugetiere, denen man bei Waldwanderungen oder Touren begegnen kann, wie beispielsweise Wildschweinen, Füchsen, dem korsischen Mufflon, Hirschen, Gemsen, Rehen und Hasen.
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